Was ist Glücksspiel?

Es liegt auf der Hand … Glücksspielsucht ist eine Krankheit

Ein Glücksspiel liegt vor, wenn man für die Teilnahme am Spiel Geld bezahlt und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt.

Arten von Glücksspiel

Lotto

„6 aus 49“ ist das bekannteste Glücksspiel in Deutschland. Auf vorgedruckten Spielscheinen kreuzt der/die Spielteilnehmer_in 6 von 49 Zahlenkästchen an und gibt den ausgefüllten Spielschein an einer der zahlreichen Lotto-Annahmestellen ab. Die Ziehung erfolgt ein- bis zweimal pro Woche. Auf dem Spielschein sind auch Zusatzlotterien möglich, wie z. B. die Endziffernlotterie „Glücksspirale“.

Keno

Bei Keno kann der/die Spielteilnehmer_in von 70 verschiedenen Zahlen zwischen 2 und 10 möglichen Gewinnzahlen auswählen. Im Gegensatz zu „6 aus 49“ finden bei Keno tägliche Ziehungen statt.

Rubbellose

Rubbellose sind Sofortlotterien. Nach dem Kauf von Rubbellosen können die beschichteten Spielfelder „aufgerubbelt“ werden. Die Entscheidung über Gewinn und Verlust kann somit sofort nach dem Kauf fallen.

Roulette

Wird in Spielbanken angeboten. Das Ziel ist es zu erraten, auf welche Zahl die Kugel fallen wird. Der Croupier, der Spielleiter, bittet um die Einsätze der Spieler_innen. Der Einsatz sind Jetons, sogenanntes „Spielgeld“. Wenn genug Einsätze getätigt wurden, setzt der Croupier die Roulette-Scheibe in Bewegung und wirft die Kugel gegen die Drehrichtung in den Zylinder. Nach der Aussage „Rien ne va plus“ (Nichts geht mehr) darf nicht mehr gesetzt werden. Sobald die Kugel in einem Fach liegen bleibt, sagt der Croupier die Gewinnzahl, deren Farbe und die weiteren gewinnenden einfachen Chancen laut an.

Poker

Poker ist ein Kartenspiel mit Wettkampfcharakter, bei dem der/die Spieler_in nicht gegen die Bank, sondern gegen andere Teilnehmer_innen spielt. Das Ziel ist es, einen möglichst hohen Wert zu bekommen. Dies kann beim Poker aber auch durch „Bluffen“ erreicht werden. Die Spieler_innen können dadurch und mit genauer Beobachtung einen kleinen Vorteil gegenüber anderen erzielen.

Glücks- und Geldspielautomaten

Während Glücksspielautomaten zum „kleinen Spiel“ der Spielbanken gehören, zählen Geldspielautomaten zu den „Unterhaltungsgeräten mit Gewinnmöglichkeiten“ und stehen vor allem in Gaststätten, Spielhallen und Imbissbuden. Ziel ist es, den Glücks- oder Geldspielautomaten zu stoppen, wenn eine gewisse Anzahl gleicher Motive zu sehen ist. Die Ereignisfrequenz – die Zeit zwischen Spielbeginn und Ergebnis – variiert zwischen drei und fünf Sekunden.

Sportwetten

Bei Sportwetten wird Geld auf das Eintreffen eines Sportereignisses gesetzt, wie beispielsweise beim Pferdewetten darauf, welches Pferd als erstes durch das Ziel läuft. Besonders häufig wird auf Fußballspiele gesetzt. Hierbei kann nicht nur auf den Ausgang des Spiels gewettet werden, sondern auf jegliche Ereignisse innerhalb eines Spiels. Es ist auch möglich, während das Spiel noch läuft, eine Live-Wette abzugeben.

Hütchenspiel

Wird meistens in größeren Städten, Tourismuszentren und an stark frequentierten öffentlichen Plätzen wie zum Beispiel in Fußgänger- und Bahnhofszonen oder auf Flohmärkten gespielt. Der/die Hütchenspieler_in versteckt einen kleinen Gegenstand unter einer von drei Nussschalen und verschiebt diese untereinander in einer Geschwindigkeit, welche den Mitspieler_innen scheinbar die Möglichkeit lässt, den Ablauf zu beobachten. Anschließend werden die Zuschauer_innen animiert, einen Betrag darauf zu setzen, dass man nach der letzten Verschiebung noch weiß, unter welchem Hütchen sich der Gegenstand befindet.

Wie erkennt man Glücksspielsucht?

Glücksspielsucht ist als Krankheit anerkannt. Es gibt verschiedene Merkmale, anhand derer eine Fachperson feststellen kann, ob eine Glücksspielsucht vorliegt. Das bedeutet, dass jeder Glücksspielsüchtige einen Anspruch auf kostenlose ambulante und stationäre Behandlung sowie auf Nachsorge hat; unabhängig von Nationalität, Alter oder Geschlecht.

Glücksspielsucht ist eine Krankheit

DSM-5 (innerhalb von 12 Monaten müssen mindestens 4 Kriterien vorliegen)

Notwendigkeit des Glücksspielens mit immer höheren Einsätzen, um eine gewünschte Erregung zu erreichen.

Unruhe und Reizbarkeit bei dem Versuch, das Glücksspielen einzuschränken oder aufzugeben.

Wiederholte erfolglose Versuche, das Glücksspielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben.

Starke gedankliche Eingenommenheit durch Glücksspielen (z. B. starke Beschäftigung mit gedanklichem Nacherleben vergangener Spielerfahrungen, mit Verhindern oder Planen der nächsten Spielunternehmung, Nachdenken über Wege, Geld zum Spielen zu beschaffen).

Häufiges Glücksspielen in belastenden Gefühlszuständen (z. B. Hilflosigkeit, Schuldgefühle, Angst, depressive Stimmung).

Rückkehr zum Glücksspielen am nächsten Tag, um Verluste auszugleichen (dem Verlust „hinterherjagen“).

Belügen anderer, um das Ausmaß der Verstrickung in das Glücksspielen zu vertuschen.

Gefährdung oder Verlust einer wichtigen Beziehung, eines Arbeitsplatzes, von Ausbildungs- oder Aufstiegschancen aufgrund des Glücksspielens.

Verlassen auf finanzielle Unterstützung durch andere, um die durch das Glücksspielen verursachte finanzielle Notlage zu überwinden.

Verlauf

Ähnlich wie bei einer Drogenabhängigkeit können auch Glücksspiele süchtig machen. Im Unterschied gibt es jedoch meist keine sichtbaren körperlichen Veränderungen, die auf ein problematisches Spielverhalten und die Entwicklung einer Glücksspielsucht hinweisen. Read more

Die Entstehung der Glücksspielsucht ist ein eher schleichender Prozess und kann sich über Jahre entwickeln. Männer sind deutlich häufiger davon betroffen als Frauen. Nach und nach setzen Betroffene mehr Zeit und Geld für Glücksspiele ein, während andere Interessen zunehmend in den Hintergrund geraten. Auch die mit Freunden und Familie verbrachte Zeit wird weniger. Die Glücksspielsucht wirkt sich nicht nur auf den Betroffenen selbst, sondern auch auf sein Umfeld aus.
Der Weg in die Glücksspielsucht ist bei vielen Betroffenen ähnlich und lässt sich in drei Phasen unterteilen. Jede dieser Phasen hat auch Auswirkungen auf Familienmitglieder, Freunde und Kollegen. Show less

  • 1.

    Die Einstiegs­phase

    Betroffene spielen anfangs nur gelegentlich und sammeln durch Gewinne positive Erfahrungen. Gleichzeitig wird das Selbstwertgefühl durch Gewinne gesteigert. Da Verluste als einmalig erlebt und Gewinne häufig als eigenes Können interpretiert werden, entsteht ein unrealistischer Optimismus. Read more

    „Zu Anfang hatte ich gewonnen, einen richtig großen Betrag, nachdem ich ein Lockangebot eines Casinoanbieters im Internet angenommen hatte, das per Mail zu mir kam. Wenn es so einfach war, Geld zu verdienen, dann wollte ich das natürlich fortsetzen. Und das habe ich dann getan“.
    „Ich fand nichts Komisches daran zu pokern! So wie andere Menschen Skat, Doppelkopf oder so etwas spielen, dachte ich- pokern wir halt. Ich selber spiele sowieso gerne, fast alle Gesellschaftsspiele.“ Show less

  • 2.

    Die Verlust­phase

    In dieser Phase wird häufiger und länger gespielt, jedoch seltener gewonnen. Die Gedanken kreisen häufig um das Glücksspiel. Da immer mehr Zeit mit dem Spielen verbracht wird, werden private, aber auch berufliche Beziehungen vernachlässigt. Das Ausmaß des Spielens wird gegenüber Angehörigen häufig verheimlicht. Betroffene versuchen in dieser Phase, ihre inzwischen größeren Verluste durch erneutes Spielen wieder auszugleichen. Read more

    „Die Gewinne blieben aus, die Verluste stiegen. Ich setzte immer mehr Geld ein, um endlich den großen Gewinn zu machen. Trotz allem machte mir das Zocken Spaß – ich spielte eben nicht, um Geld zu verdienen. Das dachte ich damals jedoch. Heute, in meiner Spielfreiheit, und nachdem ich vieles über Glücksspielsucht gelesen und in meiner Selbsthilfegruppe etliches über die Gründe für diese Sucht gelernt habe, weiß ich: Es ging nie ums Geld. Das Zocken hatte ganz andere Gründe“. Show less

  • 3.

    Die Verzweiflungs­phase

    Wird trotz der negativen Konsequenzen weiter gespielt, erreichen Betroffene die Verzweiflungsphase. Sie verlieren die Kontrolle über ihr Glücksspielverhalten, wodurch massive Folgen entstehen. Häufig können Schulden nicht mehr zurückgezahlt werden, sodass sich das Leben der Betroffenen nur noch um die Geldbeschaffung dreht. Der Betroffene verbringt in dieser Phase nur noch sehr wenig Zeit mit Angehörigen. Starke Schuldgefühle und Verzweiflung führen bei vielen Betroffenen zu Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken. Read more

    „Ich war schon längst mitten in der Sucht angekommen, ich zockte, um meine Gefühlswelt wegzudrücken, um unangenehmen Emotionen auszuweichen und mir regelmäßig meine Dosis „Instantglück“ zu holen. Wenn ich mich nicht wohlfühlte: Was lag da für mich näher, als sofort und lange zu zocken- nichts denken, keine Konflikte austragen müssen, mich nicht der Realität stellen. Es brauchte meinen persönlichen Tiefpunkt, damit ich endlich erkannte, dass es so nicht weitergeht und ich mir Hilfe holen muss. Das habe ich getan, mit Unterstützung und Mut machen durch meine Frau.“ Show less

Folgen

Zu den Folgen gehören beispielsweise:

  • Schuld-/ Schamgefühle
  • Verschuldung, Wohnungslosigkeit
  • Familiäre Konflikte, Trennung, Scheidung
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Berufliche Probleme, Arbeitsplatzverlust
  • Kriminelle Handlungen
  • Suizidversuche

Warum machen Glücksspiele süchtig?

Bei der Entwicklung einer Glücksspielsucht treffen viele unterschiedliche Faktoren aufeinander. Dabei wirken die Person der Glücksspielerin bzw. des Glücksspielers, die Umwelt, in der die Person lebt, und das Glücksspiel miteinander als Ursache.

  • Eigenschaften wie hohe Risikobereitschaft und Impulsivität
  • Erbanlagen und Erkrankungen
  • Spezielle Lebensereignisse
  • Geschlecht und Alter (Risikogruppen: Männer, junge Erwachsene und Menschen mit Migrationserfahrung)
  • Einstellung der Gesellschaft gegenüber Glücksspielen
  • Bereitschaft, Hilfe zu suchen und in Anspruch zu nehmen
  • Arbeits- und Lebensverhältnisse
  • Familiäre Strukturen und Vorbilder
  • Verfügbarkeit
  • Angebotsdichte
  • Suchtpotenzial
  • Wirkung

Was macht Glücksspiele so gefährlich?

Folgende Gefahren birgt Glücksspiel:

Eine kurze Zeiteinheit zwischen dem Einsatz, Spielausgang und der nächsten Spielgelegenheit erhöht die Wahrscheinlichkeit des Weiterspielens.

Ein kurzer Zeitraum zwischen Spielausgang und Gewinnauszahlung fördert das erneute Spielen.

Jeder Gewinn trägt zur Attraktivität des Glücksspiels bei.

Die Aussicht auf hohe Gewinnauszahlungen regt zum Spielen an.

Bei zwei von drei Richtigen wird die Erwartung hervorgerufen, dass ein Gewinn unmittelbar bevorsteht.

Die Auswahlmöglichkeiten erhöhen die Spannung.

Die Illusion der Betroffenen, durch eigene Fähigkeiten den Spielablauf verändern zu können, regt zum Spielen an.

Je unkomplizierter der Geldeinsatz, umso geringer die Hemmschwelle zur Spielteilnahme.

Diese Effekte werden mit Gewinnen verbunden und vermitteln das Gefühl, dass häufig Gewinne auftreten.

Das Gefühl, mit dem eigenen Wissen das Spielergebnis beeinflussen zu können, regt zur Spielteilnahme an.

Je leichter ein Glücksspiel verfügbar ist, umso mehr erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen es vermehrt nutzen.

Die Lösung

Wer selbst von Glücksspielsucht betroffen ist oder sich um Freunde oder Angehörige sorgt, sollte sich unbedingt Unterstützung holen. Dazu gibt es vor Ort und online verschiedene Angebote, die Rat und Hilfe anbieten.

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